Wir, die 10. Klasse, haben unser Feldmesspraktikum vom 21.9. bis zum 30.9. in Schönau an der Triesting in Österreich verbracht.
Unsere auf knapp zwölf Stunden geplante Zugfahrt begann um 7:15 Uhr am Oldenburger Hauptbahnhof. Wir verabschiedeten uns von unseren Eltern und hievten unser Gepäck in die Ablagen unserer Abteile. Zunächst ging es nach Hannover, wo wir einen Zug nahmen, welcher uns innerhalb von 5 Stunden nach München beförderte. Diese Fahrt verbrachten wir, auch dank unserer reservierten Sitzplätze, äußerst entspannt und gut gelaunt. Dies änderte sich ein wenig, nachdem wir in München in den nächsten Zug gestiegen waren. Dieser hielt nach kurzer Fahrt und eine Durchsage verkündete, der Zug könne wegen drei umgestürzter Bäume vorerst nicht weiterfahren. Es lief darauf hinaus, dass wir zwei Stunden später an unseren Ausgangspunkt, den Münchner Hauptbahnhof, zurückkehrten und dann in einem überfüllten Zug, in dem wir nun keine Reservierungen mehr besaßen, nach Wien fuhren. Doch davon ließen wir uns nicht entmutigen. Schon bald bildete sich ein Grüppchen, das zwischen zwei Abteilen, von denen eines ein Ruheabteil war, laut Musik hörte und sich so die Zeit vertrieb. Nach einem weiteren Umstieg, einer kurzen Fahrt von Wien nach Leobersdorf und einem kleinen Fußmarsch, erreichten wir die Waldorfschule, welche für die nächsten zehn Tage unsere Bleibe wurde. Die Schönauer Waldorfschule ist mit ca. 150 Schüler:innen sehr klein und hat dadurch einige leerstehende Räume, sodass die Mädchen in einem ungenutzten Eurythmiesaal und wir Jungen in einem Chemieraum schlafen konnten.
Am nächsten Tag lernten wir unsere schönauische Parallelklasse kennen, welche sich aus Neunt-, Zehnt- und Elftklässler:innen zusammensetzte. Neun von ihnen brachten uns in den nächsten Tagen die unterschiedlichen Messtechnicken wie die Längenmessung und die Kleinvermessung bei. Der erste Schritt unserer Arbeit war, dass wir von den Schönauern in Dreiergruppen über das Schulgelände geführt wurden, auf welchem viele Messstangen in den Boden gesteckt waren. Wir fertigten eine Skizze des Geländes an und zeichneten Dreiecke darauf ein, deren Ecken die mit Buchstaben gekennzeichneten Stangen darstellten. Nun begann die Arbeit mit dem Theodolit. Mit seiner Hilfe konnten wir die Winkel jedes Dreiecks berechnen. Darauf folgte die Detailvermessung, dabei zeichneten wir die Bäume, Gebäude, Zäune usw. ein. Parallel zu dieser Arbeit wurde von drei Strecken die Länge durch eine Längenmessung ermittelt, mit ihnen ließen sich alle Strecken der einzelnen Dreiecke bemessen. Zuletzt begannen wir mit dem Zeichnen der Karte im Maßstab 1:200. Diese konnten wir nun unter unser transparentes Kartenblatt legen und abpausen. Bei diesem Schritt wurde sichtbar, welche Messungen zu ungenau ausgeführt waren, diese mussten dann noch einmal nachgeholt werden. Den Abschluss bildeten die Kolorierung und die Anfertigung von Legende, Kompass und Maßstab.
Unser Arbeitstag, startete um 8 Uhr, betrug ungefähr sieben Stunden und wurde mittags von einer längeren Pause unterbrochen. In dieser bekamen wir ein von der Kantine bereitgestelltes Essen eines Lieferservice. Morgens und abends kümmerte sich ein täglich wechselnder Küchendienst unter der Leitung von Herrn Sonnenhoff um die kulinarische Verpflegung.
Am Freitag machten wir gemeinsam mit den Schönauern einen Ausflug, zu dessen Ausgangspunkt wir eine kurze Strecke mit dem Zug fuhren. Diese Wanderung, die vorher von einigen österreichischen Schüler:innen als Spaziergang betitelt wurde, brachte uns ziemlich aus der Puste. Doch konnten wir uns währenddessen mit schönen Aussichtspunkten und einer großen, einsturzgefährdeten Höhle belohnen, die die meisten ohne zu zögern betraten, um spektakuläre Fotos zu machen. Im Anschluss an die Wanderung fuhren der Großteil der Klasse und die meisten Schönauer mit dem Zug zurück in die Schule. Die übrigen Schüler:innen besuchten die Vösslauer Therme, welche von einer 15.000 Jahre alten Quelle gespeist wird. Sie wurde bereits von den Römern genutzt und auch die historische Therme kann auf eine lange Vergangenheit zurückblicken.
Am Folgetag besuchten wir Wien, wo wir uns in kleinen Gruppen frei bewegen durften. Die meisten vertrieben sich ihre Zeit mit einem Einkaufsbummel, erkundeten die Stadt, gingen Essen oder besuchten das Kunstmuseum „Albertina“.
Mit einigen Schüler:innen der österreichischen Waldorfschule freundeten wir uns schnell an und sie verbrachten auch nach Schulschluss viel Zeit mit uns. Wir liefen zum nahegelegenen Supermarkt, um uns mit Leckereien zu versorgen oder suchten eine Badestelle am nahen Bach auf. Auf dem Sportplatz der Schule spielten wir Fußball, Basketball oder Volleyball. Gegen Ende der Klassenfahrt begannen einzelne Schüler:innen sogar bei uns zu übernachten. Am Abend vor unserer Abreise feierten wir mit einem Lagerfeuer ein kleines Abschiedsfest. Zuvor hatten wir mit dem Packen unserer Koffer begonnen, da wir am nächsten Morgen bereits um 8 Uhr unsere Abreise antraten. Diese verlief deutlich reibungsloser als die Anreise, auch wenn es bereits zwischen Wien und München zu Verzögerungen kam. Jedoch schaffte es der Zug, nach einem Fahrerwechsel, die 50 Minuten Verspätung fast restlos wieder einzuholen, so dass wir letztendlich mit nur 15 Minuten Verspätung in Oldenburg eintrafen.
Das Feldmesspraktikum war ein sehr schönes Erlebnis, auf welches wir gerne zurückblicken. Wir haben viel Neues im Bereich der Mathematik gelernt, aber auch im Miteinander weitere Erfahrungen gesammelt, neue Freundschaften geknüpft und zusammen viel Spaß gehabt. Deshalb möchten wir uns bei den österreichischen Lehrer:innen und Schüler:innen für ihre herzliche Gastfreundschaft, bei unseren Eltern für die Finanzierung und ganz besonders bei unseren Lehrer:innen Frau Eggemann-Grenz und Herrn Wetzel und bei Herrn Sonnhoff für ihre Begleitung, Versorgung und Geduld bedanken!
(Matteo Höllge, Klasse 10)