Die Jena-Fahrt unserer Klasse 10 begann am 4. September um 8.15 Uhr. Nachdem wir all unsere Sachen in den Bus geladen, uns von unseren Eltern verabschiedet und unsere Plätze ausgesucht hatten, ging es los. Die Stimmung im Bus war aufgeregt und erwartungsvoll. Wir sprachen über unsere Erwartungen, teilten Snacks und lachten viel.

Nach etwa zwei Stunden Fahrt machten wir unseren ersten Halt an einer Raststätte. Danach waren es nur noch ungefähr drei Stunden bis zu unserem Zwischenstopp auf dem Weg nach Jena: Wir wollten die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora besuchen. Das Lager wurde erst im August 1943, Hitler regierte bereits zehn Jahre lang, gegründet und war zunächst ein Untertagebau–lager, in dem die Häftlinge sogenannte „Vergeltungswaffen“, wie die NS-Regierung es nannte, also die Raketen und Marschflugkörper V1 und V2, hergestellt haben. Allein in dieser ersten Phase starben 5.000 Menschen. Im Frühjahr 1944 wurden oberirdische Baracken errichtet, in denen die Häftlinge schlafen mussten. Von den rund 60.000 Menschen, die aus ganz Europa nach Mittelbau-Dora deportiert wurden, starben etwa 20.000 an den Arbeitsbedingungen, an Krankheiten, durch gezielte Ermordungen der SS oder auf den Todesmärschen gegen Ende des Krieges. Als die US-Armee das Lager am 11. April 1945 befreite, hatte die SS es bereits geräumt. Die Soldaten fanden nur noch Kranke und Erschöpfte sowie Tausende Leichen vor. Als wir gegen Mittag an dem ehemaligen Lager ankamen, das heute eine Gedenkstätte ist, machten wir zunächst eine Pause und aßen unseren mitgebrachten Proviant. Anschließend wurden wir in einen kleinen Raum geführt. Dort sahen wir auf einer großen Leinwand einen Film über das KZ Dora, der zahlreiche Aussagen von Zeitzeugen enthielt. Der Film vermittelte uns ein besseres Verständnis für die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs. Danach hatten wir Zeit, die Gedenkstätte selbstständig mit einem Audioguide zu besichtigen. Dabei sahen wir unter anderem den Appellplatz und das Krematorium. Besonders das Krematorium nahm einige von uns sehr mit. Andere schafften es gar nicht, diesen Ort zu betreten, an dem Tausende Menschen verbrannt worden waren. Insgesamt war der Besuch der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora für uns sehr bedrückend. Zugleich vermittelte er uns ein besseres Verständnis des Zweiten Weltkriegs und der Konzentrationslager. Es war schwer zu glauben, dass sich auf diesen Wiesen und Hügeln so schreckliche Ereignisse abgespielt hatten.

Nach der Besichtigung fuhren wir mit dem Bus weiter nach Jena. Nach zwei Stunden erreichten wir die Waldorfschule, in der wir übernachten wollten. Zuerst luden wir unsere Taschen und Koffer aus, packten sie aus und richteten unsere Schlafplätze ein. Danach erkundeten wir das Schulgelände. Dabei entdeckten wir einen Basketballplatz, der uns in den nächsten Tagen viel Freude bereiten sollte. Anschließend bereiteten einige von uns gemeinsam mit Frau Rector und Herrn Hauck-Hahmann, unseren Betreuungslehrkräften, das Abendessen vor. Da wir grillten, steuerte jeder etwas dazu bei. Nach einem langen Reisetag schmeckte uns das Essen besonders gut. Nachdem alles aufgeräumt war, verbrachten wir noch etwas Zeit draußen beim Basketballspielen und gingen anschließend erschöpft ins Bett.

Am nächsten Morgen frühstückten wir um 8:00 Uhr. Bereits um 9:00 Uhr waren wir auf dem Weg nach Weimar, das wir nach einer etwa halbstündigen Busfahrt erreichten. Dort machten wir uns in den bestehenden A- und B-Gruppen auf den Weg, die jeweils von Herrn Hauck-Hahmann und Frau Rector geleitet wurden. Geplant war, dass sich beide Gruppen dieselben Sehenswürdigkeiten ansehen und sich in den Pausen treffen würden. Eine unserer Stationen war das Schillerhaus. Es ist nicht nur ein Museum, sondern auch das Haus, in dem der berühmte deutsche Dichter lebte, arbeitete und schließlich 1805 starb, nur drei Jahre nachdem er es 1802 gekauft hatte. Zum Zeitpunkt des Hauskaufs war Schiller verheiratet und hatte drei Kinder. In diesem Haus verfasste er auch einige seiner bekanntesten Werke, zum Beispiel „Wilhelm Tell“. Zu Schillers häufigen Gästen gehörte Goethe, dessen Haus wir uns auf unserem Weimar-Ausflug ebenfalls ansahen. Das Goethe-Haus ist auch als „Haus am Frauenplan“ bekannt. Der berühmte deutsche Dichter bewohnte es fast 50 Jahre lang, von 1782 bis zu seinem Tod im Jahr 1832. Dort entstanden einige der bekanntesten Werke der deutschen Literatur, zum Beispiel „Faust I“ und „Faust II“. Die 18 zugänglichen Räume, die wir alle besichtigten, ließen auf Goethes Wohlstand schließen und verrieten viel über seine vielseitigen Interessen. Das Goethe-Haus gehört ebenso wie das Schillerhaus zum UNESCO-Weltkulturerbe. Beide Häuser waren sehr interessant und informativ gestaltet. Es war toll, mehr über die beiden Dichter zu erfahren und ihre Wohnorte zu erkunden, weil wir dadurch einen viel persönlicheren Einblick in ihr Leben und ihre Arbeit erhielten.

Ein weiterer historisch interessanter Ort war die Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Sie gehört zu den berühmtesten Bibliotheken Deutschlands und ist nach der Herzogin benannt, die sie im 18. Jahrhundert stark förderte. Gegründet wurde die Bibliothek im Jahr 1691. Besonders bekannt ist der dreistöckige Rokokosaal, der rund 40.000 historische Bücher beherbergt. Viele dieser Bücher verbrannten jedoch bei dem großen Brand der Bibliothek im Jahr 2004. Dank zahlreicher freiwilliger Helferinnen und Helfer konnte die vollständige Zerstörung der Bibliothek und seiner Schätze aus Pergament und Papier verhindert werden. Dennoch verbrannten viele Bände oder wurden stark beschädigt. Diese beschädigten Werke werden als Aschebücher bezeichnet und bis heute restauriert. Auch die Bibliothek war sehr interessant. Besonders beeindruckend war es, den Rokokosaal mit seinen hohen Bücherwänden zu sehen.

Als letzte Station unseres gemeinsamen Ausflugs besuchten wir das Bauhaus-Museum, das 2019 eröffnet wurde. Auf fünf Ebenen sind dort verschiedene Ausstellungsstücke im Bauhaus-Stil zu sehen. Der Besuch war sehr interessant, und wir blieben eine Weile dort. Anschließend gingen wir in die Innenstadt, um Snacks für die nächste Busfahrt einzukaufen. Ein Highlight war der Schmuckstand vor dem Lidl, an dem einige von uns ordentlich zuschlugen, weil alles reduziert war.

Der gesamte Aufenthalt in Weimar war sehr schön, da wir viel von der Stadt sehen und auf den Spuren Goethes und Schillers deren Wohnorte entdecken konnten. Auch die Referate, die während des Ausflugs von verschiedenen Schülerinnen-gruppen gehalten wurden, waren sehr informativ und gehörten definitiv zu den Höhepunkten. Nach der halbstündigen Busfahrt zurück bereiteten einige von uns das Abendessen zu, während sich die anderen beim Fußball- oder Basketballspielen die Zeit vertrieben. Nach dem sehr leckeren Essen verabschiedeten wir eine Schülerin, die nach der Jena-Fahrt leider die Schule verließ. Danach setzten wir für den Rest des Abends die Spiele fort, bis wir erschöpft ins Bett fielen.

Am nächsten Morgen mussten wir noch vor dem Frühstück zusammenpacken und aufräumen. Das war schnell erledigt, weil alle mit anpackten. Nachdem unsere Sachen im Bus verstaut waren, fuhren wir gegen 10:00 Uhr zurück nach Oldenburg. Dort kamen wir gegen 17:00 Uhr an und wurden von unseren Eltern empfangen. Auch auf der Rückfahrt herrschte, wie während der gesamten Klassenfahrt, eine gute Stimmung. Insgesamt hat den meisten von uns die Jena-Fahrt viel Spaß gemacht. Wir haben viel gesehen, gelernt und gelacht und betrachten die Fahrt als vollen Erfolg. (Lara Meer, Klasse 10)